Sitten und Bräuche

Winterwende - Jahreswende

Die Feiern zur Jahreswende beruhen auf dem uralten Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Die alten Germanen sahen in dem Licht der Sonne die Kraft des Lebens. Die Sonne, welche im kargen Norden, nur wenige Monate im Jahr ihre Kraft entfalteten kann, bedeutet Leben für Mensch, Tier und Pflanze. Das Sonnenlicht war das Sinnbild eines göttlichen Funkens, welcher den Germanen zuteil wurde. Jedes Jahr, wenn die Sonne den Kampf gegen die unerbittliche Kälte und Dunkelheit des hohen Nordens aufnahm, und schließlich für kurze Zeit gewann, bedeutete dies den Beginn einer fruchtbaren Zeit. Der Nordmensch beging diesen Sieg der Sonne über die Dunkelheit stets mit ausgelassenen Festen. Er feierte die Wende der Sonne als Wiedergeburt des Lichtes und gleichsam als neuen Abschnitt im Zyklus des Werdens und Vergehens des Lebens. 
Mit den Sonnenfeuern, welche in der heiligen Jahresnacht abgebrannt werden, feierte der Nordmensch die gemeinsame Jahresarbeit des Gemeinschaft. Man blickte auf die vollen Kornspeicher und erkannte die Früchte des Lebens, welche in harter Arbeit im Laufe des Jahres geerntet wurden. Der wintergrüne Baum, der Jahres- und Lebensbaum leuchtet als das "strahlende Banner Gottes" von einem Jahr in das andere und leuchtet den kommenden Generationen den Weg.

Vom Sinn der Fastnacht

Die heute inhaltslos gewordenen Gewohnheiten wurzelloser Großstädter, haben alle seine Wurzeln im Boden jahrtausendealter Überlieferungen, so auch die der Fasnacht. Die Fasnacht war für die alten Germanen eine Siegesfeier im ewigen Kampf um Sicherung und Wahrung des Lebens. Der mit der Sonne sehr eng verbundene Nordmensch feierte gerade dann besonders überschwänglich, wenn die Sonne aus der engen Hälfte des Winters heraustrat und als befreite Königin strahlend ihren sommerlichen Lauf zur Höhe begann.

Hier liegen die Wurzeln des Fasnacht, welche ursprünglich weder etwas mit dem kirchlichen Fastengebot zu tun haben, noch ihren Namen daher bekamen. Der Name Fasnacht bezeichnet ursprünglich die Feuernächte des wachsenden und früchtereifen Lebens. Diese Feiern waren von unbändiger Fröhlichkeit geprägt. Man rannte lärmend mit Fackeln über die Felder mit dem Ziel "das Korn zu wecken". Durch Kinderspiele und Lieder wurden einige Brauchtümer bis in die heutige Zeit bewahrt. So zum Beispiel das Frühjahrsspielchen von der Jungfrau mit den goldenen Haaren, welche später zum Brautlauf geführt wird. Oder auch das uralte Spiel von Himmel und Hölle, welches auf den Asphalt gemalt, sich heute noch größter Beliebtheit erfreut.

Man fragt sich weshalb diese Spiele im Kalender teilweise soweit auseinandergeschoben sind. Dies liegt an der Kirche, und an der von ihr eingeführten Fastenzeit. Diese lag mitten in den eigentlichen Feierlichkeiten, sodaß man einige Bräuche sowohl im Frühling als auch im Sommer wiederfindet. 

Das Wort Karneval, welches lateinischen Ursprungs ist, hat wiederum einen uralten germanischen Brauch. "Carrus navalis" ist ein auf Räder gesetztes Schiff, welches in früheren Tagen von lärmenden Menschen durch die Straßen gezogen wurde, und den Sieg des neuen Lebens verkündete. Fröhlichkeit und Lebenslust und überquellende Daseinsfreude - das ist der Sinn der fröhlichen Fasnacht.

Vom Schwerttanz und den Schwertfechtern

Dieser Brauch spielte sich in der Fasnachtszeit ab. Hierbei zogen acht Männer mit gewaltigen Schwertern unter Führung eines Neunten von Hof zu Hof. Von jedermann freundlich begrüßt vollführten sie mit größter Freude ihren Schwerttanz. Dabei steckten sie ihre Schwerter kreuzweise zusammen so daß ein Stern gebildet wurde. Ein jeder faste die Spitze des Schwertes seines Gegenübers. Dieser Schwerterstern begann sich nun wiegend zu bewegen, und sobald ein gewisser Schwung erreicht war sprang der Neunte mit einem Satz in die Mitte des Sterns. Die anderen Achte bewegten dabei ihre Schwerter kräftig weiter, so daß der Tänzer in der Mitte immer höher emporschoß. Schließlich konnte er den Dachbalken erreichen und umklammerte diesen. Hier fand er dann ein Beutestück, meist einen Schinken oder eine Wurst. So zog man von Haus zu Haus, wobei der Tänzer in der Mitte des Schwertersternes bei jeder Vorstellung wechselte. Die gesammelte beute wurde später bei einem gemeinsamen Festmahle verzehrt. Man brachte durch dieses Spiel den Gedanken zum Ausdruck das dem Manne nur das zu genießen geziemt, was er sich unter Einsatz von Leib und Leben selbst erstritten hat.

Osterfeuer und Osterwasser

Auch das Osterfest leitet sich von dem Wechselspiel zwischen Licht und Dunkel, zwischen Tag und Nacht ab. Das Wort Ostern bedeutet ursprünglich "neues Licht". Es hängt mit "Osten" zusammen, da im Osten das Himmelslicht die Zeit des sommerlichen Aufstieges beginnt, und die obere Hälfte des Jahres einläutet. Dieses "neue Licht" wurde seit Urzeiten von irdischen Feuern begrüßt. Dazu wurden auf den Bergen mächtige Holzscheide zu riesigen Feuern zusammengestellt und abgefackelt. So wurde die frohe Kunde des neuerlichen Sieges des allerhaltenden Sonnenlichtes von Höhe zu Höhe weitergetragen.

Um das Rad des heiligen Jahres zu symbolisieren wurden große Holzräder des Nachts brennend die Berge hinabgerollt. Doch nicht nur das wundersame Schauspiel des Abbrennens der Räder war Teil des Festes. Auch das gemeinsame Stroh sammeln und das Stopfen der riesigen Holzräder mit eben diesem gehörte zum Feste. Die gemeinsame Vorbereitung dieses uralten Brauchs versinnbildlicht die Gemeinschaft unter den Menschen der damaligen Zeit. Ein jeder beteiligte sich an den Vorarbeiten für die "heilige Stunde".

Auch das Schmücken der Tiere, welche zum ersten Male wieder auf die Almen getrieben werden, ist ein Teil des Osterfestes, welches auch heute noch in ländlichen Gegenden vorzufinden ist.

Brautweihe und Brautschmuck

Der Germane sah im Menschenleben die Wiederspiegelung aller Vorgänge der Natur. So sah er auch die Hochzeit, welche Mann und Frau im Leben verband, als ein Abbild der Vereinigung zwischen Erde und Sonne. Da die Vereinigung dieser den Frühling, und damit das Emporsteigen der Sonne zu neuer Kraft, symbolisierte, ist es verständlich das auch die Liebenden in dieser Zeit zueinander fanden. So ist es bis in die heutige Zeit geblieben. Die Hochzeit, die die Natur vorgibt, ist Urbild der Hochzeit zwischen Mann und Frau. Die alten Zeugnisse dieser heiligen Hochzeit finden wir noch heute wieder. So ist uns z.B. die Brautweihe bis heute erhalten geblieben. Früher symbolisiert durch den Hammer des Himmelsgottes Donar, später durch den Streithammer oder die Streitaxt. So lässt ein mittelalterlicher Dichter die Jungfrau Maria sprechen: "Der Schmied vom Oberlande warf seinen Hammer in meinen Schoß." In den Dichtungen des Mittelalters wird eben jene Brautweihe sehr genau beschrieben. So auch bei der Vermählung von Siegfried und Kriemhilde. "Man hieße sie zueinander in dem Ringe stahn und fragte, ob sie wollte den stattlichen Mann".

Auch ist der alte Brauch des dreimaligen Umschreitens des Herdfeuers oder des Hofes durch die Braut zum Zeichen der Herrschaft über Hof und Herd erhalten geblieben.

Der goldene Wagen

"Seine Klauen - durch die Wolken sind geschlagen, er steigt auf mit großer Kraft..." So beginnt ein "Tagelied" von Herrn Wolfram Eschenbach, einem der größten deutschen Dichtern. Hier wird der Aufstieg des Sonnenadlers am östlichen Himmel besungen. Auch Ludwig van Beethoven griff dieses Thema 600 Jahre später wieder auf: "Sie kommet und läutet und strahlt von ferne, und geht den Weg gleich als Held." 

Gemeint ist der Sonnenheld, welcher aus seinem Zelte hervortritt um freudig seine neue Bahn zu laufen. Während der südliche Mensch dies auf den Ablauf eines Tages bezieht, bedeutet es für den Nordmenschen den Aufstieg der Sonne im Frühling, und damit den Jahreslauf. Dieses Jahreserlebnis ist dem nordischen Menschen heilig.

Der Tag an dem Tag und Nacht den Tageshimmel zu gleichen Teilen beherrschen, und das Licht diesen Kampf schließlich gewinnt, hat für die nordischen Menschen eine so große Bedeutung, das selbst die Christen nicht umhin kamen diesen Brauch für sich zu benutzen. Sie eigneten sich den Sinngehalt an, indem sie die Auferstehung des Herrn in eben jene Zeit der Auferstehung der Sonne legten.

Die heilige Zeit der Wiederauferstehung, die Osterzeit also, wird noch heute durch viele Feste die gebührende Huldigung entgegengebracht. So findet man zum Teil noch Bäcker die, nach alter Tradition, das altheilige Sinnbild des Jahresrades backen. Dieses Backwerk wurde aus einer Rechtkreuzform später zur bekannten Form der Brezel.

Das viergeteilte Rad, welches auch heute noch in einigen Gegenden die Berge hinuntergestoßen wird, ist ein Symbol der Jahresgleiche. Es verkünden brennend das neue Leben und das neue Licht.

Was der Maibaum erzählt

Der Baum und sein Leben stehen in enger Gemeinschaft mit dem Leben derer, die ihn gesetzt haben. Der Baum versinnbildlicht also auch das menschliche Leben. Auch ist der Baum, nach uraltem nordischen Mythos die Geburtstätte der ersten Menschen. So soll das erste Menschenpaar aus zwei Bäumen erschaffen worden sein.

Dem Baum wird ebenfalls eine große Wächterrolle zugeschrieben. So setzt man ihn an den Stadtrand oder an die Grenze der Felder, um damit alles Böse und allen Frevel abzuhalten. Der Baum symbolisiert die Gemeinschaft perfekt. Er bildet durch seinen Stamm, durch seine Äste und sein Blätter eine lebendige Gemeinschaft.

Der Maibaum verdeutlich das neue Leben, welches die Sonne der ganzen Erde wieder einhaucht. Wenn seine Blätter wieder grünen, dann ist die Zeit des großen Aufstieges wieder gekommen. Aus Freude darüber wird der Maibaum nach alter Tradition reich geschmückt. Die Menschen begehen den Sonnelauf mit Festen nach alter Tradition.

Von der germanischen Landnahme

Der alte germanische Gedanke, das der Boden mehr zähle als ein toter Besitz, wird durch die Denkweise verdeutlicht, dass eben jener Boden Träger allen Lebens ist, und ein von Gott selbst gegebener Pfand für die Menschen sei.

Die Germanen heiligten das genommene land durch das Abschreiten der Grenzen mit Fackeln. Falls es sich nur um eine kleines Stück Land handelte, so wurde ein brennender Pfeil darüber geschossen. Dieser Feuerbrauch war ebenfalls auf die Sonne bezogen. So wurden auch, als sichtbares Zeichen der Vermählung der Sonnenkraft mit der Erdkraft, große Lanzen auf den Feldern aufgestellt. Deren brennende Spitzen standen der aufgehenden Sonne gegenüber und sollten bis in die Nacht hinein brennen.

Wann immer man ein neues Stück Land nahm, so wurde ein Teil der Erde von dem alten Stück Land auf dem neuen ausgestreut. So konnte sich die Erdkraft voll entfalten und der Siedler nahm immer auch ein Stück seines alten geheiligten Stück Bodens mit auf das Neue.

Sonnenwende - Sonnenschicksal 

In den Nächten, wo sich das Abendrot mit dem Morgenrot vermischt, feiert man das Fest der Sommersonnenwende. Hierzu wurde z. B. noch vor wenigen Jahren in Schleswig die Mittsommerstange aufgestellt. Diese trug das uralte Zeichen der Mann-Rune in sich und war das Zeichen des Sonnenhelden, der seine Arme hoch in den sommerlichen Himmel emporhob.

Einen anderen Brauch pflegte man in Questenberg am Harz zu feiern. Dort versammelte sich die Dorfgemeinschaft auf dem Dorfberge noch vor dem Aufgehen der Sonne. Dann wurde die Queste aus der alten Jahreshälfte erneuert. Damit begrüßte man die neue Jahreshälfte. Dazu gab es Speis und Trank zum Zeichen der Verbundenheit der Dorfgemeinschaft. Auch flochten die Mädchen Kränze aus neunerlei Kräutern, um diese dann mit den eigensten Wünschen im Sonnenwendfeuer verglühen zu lassen. Andernorts wurden brennende Pechkränze in die Bäche geworfen, um die alte Jahreshälfte zu verabschieden und gleichsam die neue zu begrüßen.

Bei allen Feiern stand jedoch das Wissen um die ständige Wiederkehr der Sonne im Vordergrund. Die Sonne wurde in die Winterjahreshälfte ihres Laufes verabschiedet und man brachte ihr durch die Feste die gemäße Ehrerbietung bei.

Sonnenheld und Heldensage

Die Wissenschaft der Deutschkunde und der Germanenkunde gibt uns die Antwort auf die Frage warum wir so sind wie wir sind. Sie sind ein Teil der Wissenschaft vom Leben selbst. Sie beantworten die Fragen weshalb sich unser Denken und Fühlen seit den Tagen unserer Urväter nicht wesentlich geändert hat und auch nicht ändern wird.

Die in ihr beschriebenen Heldenlieder und Heldensagen reichen in den schöpferischen Urgrund unseres Volkes zurück. Aus diesem ziehen wir wissentlich oder unwissentlich unsere Kräfte. Die Taten der Helden von damals sind uns noch heute Erlebnis. Umgemünzt auf unsere heutige Zeit erleben wir sie immer wieder neu. Der Glaube an die nordische Götterwelt und ihre Helden hat sich bis in die heutige Zeit erhalten, und gibt uns neuen Lebensmut, denn an ihnen können wir uns ständig orientieren. Die Heldentaten der alten Zeit können wir auch heute noch verfolgen, so z.B. an einem Hünengrab bei Bremen. Dort wird uns das fünftausendjährige Bild des hammerschwingenden Sonnenhelden überliefert. Die Heldentaten von damals sollen uns Mahnung und Ansporn zu gleich sein es ihnen gleich zu tun, sie zu ehren und unsere Lehren aus ihren Taten zu ziehen.

Das heilige Brot

Davon, daß das Brot, als Träger des Lebens und des Heiles, heilig war, kündet schon die Sage von der stolzen Frau Hitt. Diese wurde, dafür das sie die Heiligkeit des Brotes missachtete, von der göttergeschützten Welt Mittgarts in die wüste Welt der Steinriesen, nach Utgart verbannt. In einer Zeit, wo materielle Dinge das Leben bestimmen, haben sich nur wenige Menschen die Bedeutung um die Heiligkeit des Brotes, dem Träger des Lebens erhallten. Das heilbringende Korn, aus dem das Brot gebacken wird, war von je her das Zeichen des Sippenfriedens und des lebensspendenden Weltgeistes.

Auch in dem Mythos des Brotes wiederspiegelt sich das Werden und Vergehen des Weltgeschehens.

Das Wort "heilig" war für den Germanen immer mit etwas verbunden was Leben trägt und Leben fördert. Daher ist ihm das Korn heilig wenn er es auf den Acker streut, wenn er es erntet und drischt, und es schließlich zu Brot verbäckt.

Die Heiligkeit des Brotes erkennt man auch daran, dass den Toten immer etwas Korn mit in das Grab gelegt wurde.

Auch glaubte man an einen Korngeist, der seine schützende Hand über dem Acker hatte. Ihm zu ehren wurde bei der Ernte ganz bewusst immer die letzte Garbe stehen gelassen, auf daß die nächste Ernte ebenfalls seinen Schutz erfahren würde.

Der Geist im Korn

Im immer wiederkehrenden Kreislauf des Werden und Vergehens des lebensspendenden Korns, spiegelte sich für die alten Germanen auch der Kreis des Lebens wieder. Unsere Ahnen glaubten an einen Geist im Korn, welcher die Wacht über eben dieses übernommen hatte. Er war dafür verantwortlich ob es eine gute Ernte würde oder nicht. Daher mußte dem Erntemann zugestanden werden, daß er sich alljährlich einen Teil des Kornes nahm. Auch wurde dem Schnitter durch zahlreiche Tänze die Ehrerbietung erbracht. So war es Sitte, daß die Binderin eine Garbe auf den Arm nahm und dann einen dreifachen Reigen tanzte.

Weiterhin wurde stets die letzte Garbe auf dem Felde stehen gelassen. Dahin konnte der Schnitter die Zeit des harten Winters überstehen. Niemals durfte dieser letzte Raum des Schewekerls durch die Sense zu Fall gebracht werden, denn sonst hätte das Korn den Schutz für das nächste Jahr verloren.

In älteren Vorstellungswelten wird der Geist im Korn auch als Tier dargestellt. So stellte man ihn sich als Schwein, als Hund oder als Bock vor. Doch egal in welcher Gestalt auch immer der Geist des Kornes auftrat, das Ansinnen des Bauern war es stets, sich nicht dessen Zorn zuzuziehen, um die Ernte des nächsten Jahres nicht zu gefährden. 

Führung und Gefolgschaft

Seit Urzeiten steht alles Kriegertum unter dem Zeichen der engsten Verbundenheit zwischen den Kämpfern und dessen Führer. Dieser Führer hat die Ehre die Mannen in die Schlacht zu führen und, immer an vorderster Front kämpfend, als loderndes Beispiel für alle anderen zu stehen. Der Führer hat nicht die Aufgabe seine Mannes in den Kampf zu treiben, sondern sie folgen ihm, da er ihnen den Kampfgeist vorlebt, den man benötigt um siegreich aus einer Schlacht hervorzugehen.

Die Tatsache das der Führer immer in vorderster Linie in den Kampf zog, spornte die Kämpfer zusätzlich an. Ein jeder versuchte seinem Vorbild, dem Führer also, am nächsten zu sein, und so trieb sich die Meute praktisch selbst nach vorn. Selbstverständlich hat der Führer eine sehr große Verantwortung. Denn jeden Schritt den er tut, werden seine Gefolgsmänner ihm gleichtun. Doch eben dieses Wissen zeichnet einen guten Führer aus.

Eine Schlacht kann also nur siegreich beendet werden, wenn sich ein starker und vertrauenswürdiger Führer der Aufgabe annimmt, seine Mannen zu lenken.

Die heilige Fahne

Durch die heiligen Fahne des Kriegers lebten für den alten Germanen immer auch seine Vorfahren weiter. Sie war ihm stets ein treuer Begleiter, wenn es auf die großen Schlachtfelder der Welt hinausging. Sie war ihm Mahnung und Erinnerung an die Vorfahren zugleich. Von ihr übertrug sich die Kraft der Toten auf die Lebendigen, welche das Vorhaben der Ahnen zuende führen sollten.

Mit diesem Wissen um die Vereinigung von Totem und Lebendigem zog der Krieger in die Schlacht, seine Ahnen zu rächen. Dieses oft blutgetränkte Stück Stoff, war kein lebloses Symbol für den Krieg. Mit dem Blute der Verstorbenen würde die Brücke von der mütterlichen Erde zur Welt des lichten Himmels geschlagen. Dieses mit göttlich Kraft ausgestattete Ehrenzeichen, sollte dem Krieger ständiger Begleiter und Heilsbringer im Schlachtgetümmel sein. Die heilige Fahne verkörperte den Sieg schlechthin, und war deshalb das heiligste was es im Kampfe zu verteidigen galt.

Bis tief in das Mittelalter hinein wurde, an der vorher verabredeten Stelle, die Bannerstange aufgestellt, welche nach Osten hin zur aufgehenden Sonne gerichtet war, um den Platz des Kampfes zu kennzeichnen. Hierbei verbanden sich die heilige Kraft der Sonne mit der des Bodens in der sie steckte.

Dieses Feldzeichen nannte man "Standhart", woraus sich der uns heute geläufige Begriff der Standarte ableitet. Als die größte Ehre galt es dem Krieger die heilige Fahne in die Schlacht zu führen, was ihre große Bedeutung untermauert. Die blutgetränkte Fahne ist ein heiliges Symbol, da sie ein mythischer Sammelpunkt der lebendigen und toten Krieger ist. Daher erklärt sich der Ausspruch "Die Fahne ist mehr als der Tod" fast von selbst.

Der heilige Speer

Das älteste Wahrzeichen germanischer Führer und Könige ist die heilige Lanzenspitze. Dieses Wahrzeichen ist nicht die bekannte Krone, sondern eine Lanze, welche von göttlicher Herkunft war. In dieser versinnbildlichte sich die Herrschaft des Walvaters Wodans und galt über Jahrhunderte weg als das Symbol der göttlichen Macht. Sie war Abbild der großen Ordnung des Himmels und des Weltalls. Sie sollte den Führern die siegbringende Kraft der Götter verleihen. Nur der auserwählte Herrscher durfte sich diesem heiligen Speere annehmen. So wurde bei einer fragwürdigen Königswahl der rechte König dadurch ermittelt, dass sich ein Falke auf den heiligen Speer eines der Könige niederließ, und ihn dadurch die göttliche Botschaft überbrachte.

Die christliche Kirche versuchte später den heiligen Speer für sich zu nutzen. Seine wahre Herkunft sollte verschleiert werden. Außerdem veränderte man die Urform des Speeres, indem man in ihn einen Nagel einschlug, welcher angeblich Christus am Kreuze durch die Hand geschlagen wurde. Damit bemächtigte sich die christliche Kirche diesem heiligen Symbol unserer Ahnen.

Sippe und Sage

In einer endlosen Kette der Geschlechter haben sich die Mythen und Sagen von den Älteren auf die Jüngeren weitervererbt. Der Vater gab das Wissen an die Söhne weiter, dieser an seine Kinder. Diese unbändige Geschlossenheit der Sippe konnte niemals von fremden Mächten durchbrochen werden. So versuchten die fremden Heere zwar die jungen Generationen zu beeinflussen, jedoch waren diese sich ständig ihrer wahren Wurzeln bewusst. Auch nach Jahren, nach denen die Fremden glaubten den alten Glauben ausgelöscht zu haben, gab es immer noch Menschen, welche sich zu ihren Göttern bekannten und nach althergebrachten und seit Jahrhunderten gültigen Gesetzen lebten.

Man verteufelte diese Menschen als das dumme, das unwissende, das ungläubige Volk. Jedoch sollten sie letztendlich den Sieg erringen. So fand man, durch alte Überlieferungen weitergetragen, immer wieder alte Kultstätten und konnte somit die wahre Herkunft belegen. Nach und nach mussten die fremden Herrscher eingestehen, daß man die Wurzeln eines Volkes nicht einfach verpflanzen kann. Man ergab sich dem Wissen des Volkes, welches sich auf seine alten Wurzeln berief.

Der heilige Herd

Den alten Mythen nach ist das Feuer zum Sinnbild des Auferstehens der Menschen geworden. Gleichzeitig unterscheidet das Feuer den Menschen vom Tier. In der Tierwelt gilt das Feuer als bedrohlich, in der Welt der Menschen jedoch ist es Garant für Leben und galt den alten Germanen als heilig. So loderte die heilige Flamme in den Wohnhäusern unserer nordischen Urahnen und ward allen die Quelle des Lichtes und der Wärme.

Weiterhin war es der Treffpunkt der Familien. Die Feuerstelle, welche sich am oberen Ende des Rechteckhauses befand, war der Ort, an dem die Kinder in wohliger Wärme großgezogen wurden. Aus den alten Überlieferungen können wir erfahren, daß der Herd der Mittelpunkt des Sippenlebens war. Dieser Ort war für die nordischen Menschen so bedeutsam, daß sie zuweilen sogar ihre Toten unter der Herdstelle begruben. An diesem heiligen Herd fand man ebenfalls die Frauen wieder, welche wie eine Königin über dem Haus thronte. Sie war die Hüterin des heiligen Herdes, und damit auch des ebenfalls heiligen Feuers. Daher erklärt sich auch der Brauch, die junge Frau, welche ihr neues Heim bezieht, dreimal den Herd umschreiten zu lassen, damit die Herrschaft des Hauses nun auf sie überginge. Das heilige Herdfeuer war aber gleichzeitig auch ein Abbild des großen Sonnenfeuers, welches man abgöttisch verehrte.

Zur Zeit der Wintersonnenwende wurde das Herdfeuer traditionell mit Wasser gelöscht, um es danach auf althergebrachte Weise wieder zu entzünden. Mit dieser Herderneuerung, welche uns heute noch unter dem Begriff des "Notfeuers" bekannt ist, wurde gleichzeitig auch die Wiedergeburt der Sonne gefeiert.

Deutsche Totenfeiern

Für unsere Ahnen waren die Gräber der Verstorbenen Denkmäler des Lebens selbst. Sie waren Stätten der ständigen Erinnerung und Mahnung an die Toten.

Die nordischen Menschen waren sich bei ihren Totenfeiern stets bewusst, daß nun der Kreislauf des Werden und Vergehens von neuem begann. Für sie war der Tod unweigerlich auch mit neuem Leben verknüpft, die Verbindung von Leben und Tod galt als ein unzerstörbares Band eines natürlichen Kreislaufes. Durch die Ehrung, die den Toten zu Teil wurde, wurde die Sippe gefestigt. Man verabschiedete die Toten nicht etwa in den Himmel oder in die Hölle. Sie waren vielmehr immer noch Teil der Sippe, auch wenn sie im Moment nicht sichtbar für die Lebenden waren. Für den Weg, den der Tote nun zurückzulegen hatte, wurden ihm von der Sippe viele Dinge mitgegeben. So waren die Gräber und die Toten selbst stets mit allerlei Waffen in das Jenseits entlassen worden. Sie sollten ihnen auf ihrem Weg vom Jenseits zurück auf die irdische Welt beistehen.

Im Glauben der Ahnen war es unmöglich, dass zum Beispiel ein kraftstrotzender Krieger, welcher im Kampfe gefallen war, einfach im Nichts verschwindet. Die stürmische Kraft in ihm würde weiterwirken, und sei es in den großen Stürmen der Natur selbst.

Der deutsche Roland

Vor langen Jahren, zu Zeiten unserer Urahnen, pflegte man noch die Totenstätte der Verstorbenen, wie es heute kaum noch getan wird. Es waren Orte, an denen die Ahnenkraft der Toten auf jeden überströmte, der von gleichem Blute wie der Verstorbene war. Als Zeichen dieser Ahnenkraft, die als Erdkraft auf Menschen und Götter überging, ward stets ein Stamm als Sinnbild des lebenden Baumes aufgestellt. Er war Zeichen unzerstörbarer Lebenskraft. Bei Berührung dieser Stange war der Ahnherr mit seiner Kraft unter den Lebenden anwesend. Besagte Stange wurde zum obersten Schwurzeuge bei Gericht, und wurde als Bannerstange des Heeres in die Schlacht getragen.

In diesem Pfahl verband sich die Erdkraft mit der heiligen Kraft der siegreichen Sonne. Da die Sonne von jeher als Wahrer des Rechtes gesehen wurde, wurde der Ahnenpfahl zum Mittelpunkt der Gerichtsstätten und jeder schwor bei diesem seinen Eid. Im Laufe vieler Jahre entwickelte sich aus dieser "leblosen" Holzstange eine geschnitzte menschliche Gestalt. Diese erinnerte durch die straff angelegten Arme zwar immer noch an einen Holzpfahl, jedoch hatte man durch feine Handarbeit ein Gesicht in den Pfahl geschnitten, welches klar zu erkennen war.

Diese Gestalt war zusätzlich mit einem Schwert ausgestattet, welches die Gerichtsbarkeit symbolisierte. Zuweilen trug die Gestalt auch noch einen Schild. Seit dem Mittelalter wurde der Schwertträger dann "Roland" genannt. Er ist das Sinnbild für die Gerechtigkeit auf Erden. Er verkörpert weiterhin das Ansinnen der Ahnen und überträgt die Kraft selbiger auf die Lebenden.

Die Geburt des Lichtes

Immer dann, wenn die Sonne wieder ihren Lauf begann und hinter den südlichen Bergen aufblitzte, wurde der Nordmensch von unbändiger Freude ergriffen. Das Licht, und damit auch neues Leben, ward von Neuem geboren. In den Herzen der Bauern erweckten die ersten Strahlen stets einen Drang zur freien Tat und Arbeit. Das Licht verband das irdische mit dem göttlichen, und ein jeder war dem Lichte innerlich zutiefst verbunden. Noch heute finden wir in allerlei Sagen und Erzählungen eben diese Freude über das neugewonnene Leben wieder. So erzählt man noch in unserer Zeit von der Jungfrau mit dem goldenem Haar, welche in einem dunklen Turm eingeschlossen ist. Nach ihrer Gefangenschaft strahlt sie von neuem Leben und erscheint auf der Zinne des Turmes. Damit wird die Wiedergeburt des Lichtes symbolisiert, indem man das Licht durch eben jene Jungfrau ersetzt. Vieles lebt auch noch in den Weihnachtsbräuchen der heutigen Zeit fort, obgleich fremde Mächte immer wieder versuchten eben jene Bräuche zu zerstören, was ihnen aber niemals gelang.

Von wilden Heere und den drei Wanderern

Wenn in der Winternacht die Stürme tobten, dann erlebte der Germane das Wirken des allwaltenden Gottes. Wode, der Führer des Toten Heeres, ist auch der Herr der zwölf Nächte, in denen das Rad des Jahres stillsteht.

Dann, wenn das Jahresrad stillsteht, bricht das menschenfeindliche Utgart hervor und versucht nach Mitgart, der Welt des Heiles und der menschlichen Geborgenheit, vorzudringen. Der Germane nahm, im steten Wissen um die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens, mit voller Seele an diesem Kampf der Urgewalten teil.

Er wußte auch um den Walvater, der auf einem schnaubenden Schimmel durch die Wälder zog und an der Firsten zerrte und in die Feuer blies. Doch erst dadurch gewann das Feuer neue Kraft und der heilige Funke konnte auch auf das Herz des Kriegers übergehen und ihm beistehen.

Die Mütternacht

Überall dort, wo Deutsche wohnen, findet man auch ihre Bräuche wieder. So zum Beispiel den des Weihnachtsbaumes, welcher immer um die Wintersonnenwende brennt.

Der Weihnachtsbaum, der uns der Baum des Lichtes ist, hat das Sinnbild des Weltenbaumes in sich aufgenommen. Das Licht, daß den Baum erstrahlen läßt, ist zutiefst innerlich verbunden mit dem Lichte, welches man einst zur "Minne" derer abbrannte, die draußen auf dem Meer den Wogen trotzten und neuen Boden suchten.

Die heilige Nacht wurde mit dem heidnischen Wort "Modranicht" bezeichnet, was soviel wie "Nacht der Mütter" hieß.

Diese Nacht, welche dem Geheimnis der Mutterschaft geweiht ist, ist eng verwurzelt mit dem Gedanken der Wiedergeburt der Sonne aus dem Weltenabgrund hinein in den Mutterschoß. Der Glaube um die drei Mütter, welche als Trägerinnen der fraulichen Weisheit und der mütterlichen Güte gabenbringend durchs Land zogen, ist schon Jahrhunderte alt.

Die goldenen Äpfel

Immer wieder hören wir in den verschiedensten Sagen und Märchen von einem unbestimmten Helden, der viele Abenteuer zu bestehen hat, und sich schließlich den Weg in das Land des ewigen Lebens ebnet. Dort wo das Wasser des Lebens fließt, welches Unsterblichkeit verleiht. Auch wird oft von einem Hain gesprochen in dessen Mitte ein Baum mit goldenen Äpfeln steht. Auch diese verleihen Unsterblichkeit. Doch der Genuß der Äpfel bedeutet nicht nur ewiges Leben, sondern auch den Sinn des Lebens zu finden.

Dieser Hain, mit dem sich darauf befindlichen Baum liegt jedoch nicht in einem uns unzugänglichen Jenseits. Vielmehr liegt er in uns selbst. In unserem Inneren. Dies gilt es zu ergründen um den Sinn des Lebens zu finden. Doch nur derjenige kann diesen goldenen Baum finden, der immer den rechten Weg geht und sich der rechten Gesinnung stets bewusst ist.


Quelle: www.loki.de.tf

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